THEORIE UND PRAXIS IN THEORIE UND PRAXIS

Gespräche mit Astronauten (2009)

Internationale Arbeitsgemeinschaften

In "Gespräche mit Astronauten" geht es um internationale Arbeitsgemeinschaften, z.B. auf der internationalen Raumstation, wo Astro- und Kosmonaut nebeneinander schweben und arbeiten, oder eben im Privathaushalt, wo Wünsche und Träume der Au-pairs auf die Zeit- und Karrierepläne ihrer Gastmütter, die Stundenpläne früh geförderter Kinder treffen. Das Arbeitsgebiet Haushalt und Familie bleibt (auch wenn es Regelungen gibt, was ein Au-pair nicht tun muss und wielange es arbeiten darf) ein privates Gebiet, Gefühle und Arbeit werden vermischt, diese unklare Mischung führt zu Konflikten, assymmetrischen Machtverhältnissen: Wann gehört das Aupair richtig zur Familie und wann nicht. Was ist Arbeit, was ist Liebe. Wo ist oben, wo unten? In welchem Verhältnis steht Raumfahrt zu Raumpflege?


Geknautschtes Knautschland

Die Au-pairs in "Gespräche mit Astronauten" zitieren und wiederholen, wenn sie sprechen, immer auch Sätze und Satzmuster ihrer Umwelt. Die Logik der Gastfamilien wird durch das Filter der Au-pairs eine Logik des Sprachkurses. Der Haushalt wird dekliniert. Die Familien oder was von ihnen übrig blieb, werden so mit einem leicht schräg gestellten Blick betrachtet. Knautschland entsteht. Dort spielt das Stück.
(Felicia Zeller)

 

Uraufführung
Nationaltheater Mannheim
24. 09. 2010

Regie: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

mit:
Isabelle Barth, Thorsten Danner, Sabine Fürst, Silja von Kriegstein, Ines Schiller


www.nationaltheater-mannheim.de

eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2011
www.stuecke.de
www.kultiversum.de
eingeladen zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater 2011
www.autorentheatertage.de

 

Gespräche mit Astronauten

Sie kommen aus Ländern an der Grenze Mitropas. Ländern, die ihnen keine Perspektive bieten, Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Stohlen, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume ist das Land der Skispringer und heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres, schöneres, aufregendes Leben.
„Au-pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen. Gegen Kost und Logis erhalten die jungen Frauen eine Lektion nach der anderen im Ökospießertum der ehemals Linksbewegten. Zudem tragen sie die Verantwortung für eins, zwei, drei der ambitionierten Projekte, die in Deutschland und im speziellen in einem Berliner Stadtteil unter dem Begriff „Wunschkind“ firmieren.

Felicia Zeller stapelt und türmt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinanderprallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Dabei liegt die ihr eigene Sprachkomik nicht in der Übertreibung, sondern im akribischen Notieren der Kommunikationsspiralen und Alltagslitaneien des Ewiggleichen: Die Ausflüchte genervter Au-pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestreßter Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder...
Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.
(Sabine Westermaier)

 

PRESSSESTIMMEN


Die Protagonistinnen ihres Stücks sind Karrieristinnen. Die einen rackern in ihren Jobs als Managerin, als Wissenschaftlerin, als Filmproduzentin, und um dort auch nach der Geburt ihrer Kinder weiterrackern zu können, lassen sie zu Hause andere Karrieristinnen rackern: kaum volljährige Au-pairs aus Osteuropa, die Deutsch lernen und schnell Erfolg haben wollen, als Bauingenieurin, Modedesignerin, Journalistin. Ihre Chefinnen nennen sich Gastmütter und tun so, als könnten sie ihnen eine Freundin sein. Sie nehmen sie in ihren Familien auf, aber nicht richtig - weniger als Familienmitglieder, eher als Billiglohnkräfte, und so zappeln die Au-pairs als Fremde über fremden Planeten, an der langen Leine wie Astronauten.
KulturSPIEGEL, 30.08.2010
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Der titelgebende Astronaut […] ist […] omnipräsent: Dass während die Mütter ihre kleinlichen To-do-Listen herunterrattern, er im Hintergrund friedlich und weltentrückt herumschwebt, gibt der Inszenierung von Burkhard C. Kosminski eine herrlich surreale Note.... Am Ende ist das sehr sehenswerte Stück aber […] vor allem eines: herrlich unversöhnlich.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 26.09.2010



Zeller schüttet wahre Sprachkaskaden aus, als wollte sie Elfriede Jelinek den Rang als sprachmächtigste Chorführerin deutscher Zunge streitig machen, sie persifliert, kalauert, ironisiert, sie reimt und alliteriert, da wird geschimpft, gebangt und verzweifelt. Sie hat genau zugehört, deswegen wirkt ihr sprachlich so hochgedrehtes Stück selbstverständlich der Gegenwart abgelauscht.
Frankfurter Rundschau 27.09.2010



Felicia Zeller sprudelt in ihrem Text, der Spaß macht, ja streckenweise sogar zum Brüllen komisch ist, Rollen und Sprachspiele wie schillernde Seifenblasen in schnell wechselnden Besetzungen auf den Bühnenraum von Florian Etti, der mit Stofftieren und Spielzeug ein riesiges Kinderzimmer ins Bühnenall gebracht hat.
Mannheimer Morgen 27.09.2010



Ein kräftiger beklatschter Spielzeitauftakt, wie man sich ihn nur wünschen kann: leicht wie ein Soufflé, aber dennoch tief wie die See (bzw. weit wie der Weltraum). ... Isabelle Barth, Sabine Fürst, Silja von Kriegstein und Ines Schiller tänzeln im sexy Outfit von Lydia Kirchleitner wie Disco-Girls, die unversehens auf den Cat- Walk geraten sind. Sie plärren wie beleidigte Gören, sticheln wie süffisante Besserwisser und knutschen auch mal wie verliebte Teenager. Das ganze Kaleidoskop von Dur bis Moll bieten sie auf, und zwar im rasanten Stimmungswechsel. Ein gefundenes Fressen für die vier jungen Schauspielerinnen, die ihre Frauenpower zu satirischen Höchstleistungen treiben.
Rhein- Neckar- Zeitung 27.09.2010

 

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