THEORIE UND PRAXIS IN THEORIE UND PRAXIS

X-Freunde (2012)
(ausgezeichnet mit dem Hermann Sudermann Preis 2013)

(Stück des Jahres 2013 in der Kritikerumfrage von Theater heute)

„Felicia Zeller schließt in ihrem Stück „X-Freunde“ die Befindlichkeiten der Kreativbranche mit den neuesten Marketing-Phrasen kurz. Bis beide Sphären so ununterscheidbar ineinander übergehen wie Selbstverwirklichung und Selbstvermarktung. (...) Zeller lässt ihre Dialoge in einer überdrehten, ständig die Anspielstationen durcheinanderwirbelnden Kunstsprache die schönsten Pirouetten drehen.“ (Peter Laudenbach in seinem Portrait im „Theater heute- Jahrbuch 2013“)

Mit „X-Freunde“ liefert Felicia Zeller den Generationsbegriff der Stunde: Generation „Beißschiene“. Arbeit und Freizeit sind endlich identisch. Neben der Nominierung zu den Mülheimer Theatertagen wurde Felicia Zeller auch mit dem erstmalig vergebenen Hermann-Sudermann-Preis geehrt: „In ihren abgehackten, wie unter Strom stehenden Sätzen sind Zellers Generationsgenossen Monologisierer unter dem Diktat der Produktion, durchgedreht im Überfluss. Immer rasender laufen sie aus dem Ruder, ohne dabei zu Karikaturen zu werden. Denn dazu bleiben ihre Verzweiflung, ihr Übereifer, ihre Selbsterhitzung allzu nachvollziehbar. Sie sind wir, auf Speed.“ (Barbara Burckhardt)


Ein Interview mit Felicia Zeller zu "X-Freunde" finden Sie hier.

 
Uraufführung
Schauspiel Frankfurt
12. 10. 2012

Regie: Bettina Bruinier
Bühne / Kostüme: Justina Klimczyk
Video: Clemens Walter
Dramaturgie: Martina Grohmann

www.schauspielfrankfurt.de

Eingeladen zu den 38.Mülheimer Theatertagen 2013

www.stuecke.de

Eingeladen zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater, Berlin 2013

 

Berliner Erstaufführung
Theater unterm Dach
05.04.2013

Regie: Stephan Thiel
Bühne: Halina Kratochwil
Assistenz: Julia Otte

mit Tilla Kratochwil, Jaron Löwenberg, Christoph Schüchner

Österreichische Erstaufführung
Schauspielhaus Graz
23.10.2012


Regie: Judith Wille
Bühne und Kostüme: Denise Heschl
Dramaturgie: Christian Mayer

Peter Pilz: Florian Köhler, Anne Holz: Evi Kehrstephan, Holger Holz: Simon Käser

www.theater-graz.com/schauspielhaus

PRESSSESTIMMEN

Anne, Holger und Peter verkörpern zusammen die Extreme der heutigen Leistungsgesellschaft, in der für Alltag, Familie, Freunde, Freizeit kein Platz bleibt. Sie reden fast ununterbrochen, haben sich aber nichts mehr zu sagen, sprechen die Sätze gar nicht mehr zu Ende, der andere hört sowieso meist nicht zu. Diese glänzend ausgearbeitete Sprechpartitur ist die formale Vorgabe der Autorin Felicia Zeller.
Die deutsche Bühne


(...) kämpfen in "X Freunde" drei Freunde der Generation Beißschiene, wie die Autorin sie nennt, um ihre Lebensentwürfe. Es sind sogenannte Kreative, die sich in einem ständigen Positions- und Lebenskampf erschöpfen. Ein Gefühl der Überforderung bestimmt ihr Leben, oder, wie Peter, wenn auch folgenlos, einsieht: "Der Wahnsinn ist, dass der Wahnsinn für alle schon Normalität ist." 

Felicia Zeller betont in ihrem Vorwort "Alle Charaktere sind von Symptomen der Arbeitssucht durchdrungen". Denn alle denken, unentwegt etwas tun zu müssen, zur Selbstverwirklichung und für die Gesellschaft. So pressen Leistungslogik und Produktivitätsforderung Zellers Figuren ins Hamsterrad der Sprache und Sprüche. Schnell und unfertig die Sätze, abbrechend vor jeder klaren Aussage, obwohl und weil gerade die Kommunikation das Entscheidende in unserer Wissens- und Leistungsgesellschaft sein soll.
Deutschlandradio, Hartmut Krug


Es ist ein sprachschöner und brutaler Text, den Felicia Zeller da geschrieben hat.
Nachtkritik >>>



„Sie sind (...) das Daseinsmodell 2012. Der Unternehmer als Kreativer, der Künstler als junger Marktteilnehmer. Lebenstüchtig, durchsetzungsstark, wendig. Der finanzielle Druck wächst, der Zwang zur Selbstverwirklichung auch. Wer sich von diesen Sprachpfeilen nicht ins eigene Herz getroffen fühlt, der macht was falsch. (...) Die 1970 geborene Dramatikerin Felicia Zeller hat ein kleines, schnelles und böses Stück geschrieben, nicht aus dem Arbeitsalltag, sondern dem modernen Traum von der Arbeit als Leben.“
(Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau am 15.10.2012)

 

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