THEORIE UND PRAXIS IN THEORIE UND PRAXIS

Club der Enttäuschten
ABM für Theater (2001)

"Wer sich bewegt, ist abends müde und kommt nicht auf dumme Gedanken.“ So Boris Becker.

Bewegung als sinnentleerter Selbstzweck, um die Sinnlosigkeit nicht zu spüren. Uschi, Doti, Günnesch, Gerhard, Matthew und Axel, die Helden von F. Zellers „Club“, haben mit dieser Lebensregel ihre eigenen Erfahrungen. Aufgrund einer ABM-Massnahme treffen sich die sechs jeden Morgen in einem Büro und ergeben sich der vom Arbeitsamt organisierten Sinnlosigkeit:
Axel kämpft mit dem Kopierer, Günnesch mit Axels Annäherungs-versuchen, Doti mit erfolglosen Männergeschichten, Uschi mit dem Verschwinden ihrer Zeitung, Gerhard schrottet den Computer und Matthew ist sowieso nie da. In ständigen Schleifen bleiben sie ergebnislos stecken und können letzten Endes noch glücklich sein über die Regelmässigkeit ihrer Arbeit, die ihrem Leben immerhin Ordnung verleiht.

Club der Entäuschten

Club der Entäuschten

 

Uraufführung
Theater Konstanz
23. 11. 2001

Regie Markus Heinzelmann.
Bühnenbild und Kostüme: Jan Müller.
Musik: Vicki Schmatolla

mit
Silke Buchholz (Doti), Margot Gödrös (Uschi), Saskia Taeger (Günnesch), Georg Mitterstieler (Gerhard), Jacob Adou (Matthew), Christian Higer (Axel).

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Weitere Aufführungen:
WUK, Wien / Pumpenhaus Münster 2005
theaterdiscounter, Berlin 2006, ensemble liebe 3-7

 

PRESSESTIMMEN


"(...)In Felicia Zellers Stück ist es die Sprache, in der das lähmende Festsitzen der Aktuere existentiell wird.
In den Regieanweisungen des Stückes greift Zeller auf das Bild der hängengebliebenen Schallplatte zurück, um den Hintersinn der permanenten Satzwiederholungen und -variationen veranschaulichen zu können. Die Kunst der Konstanzer Uraufführung besteht darin, diesen Hörcharakter in körperlich erfahrbares Spiel umzusetzen und gleichzeitig die artifizielle Sprache ganz alltäglich, dadurch besonders eindringlich erscheinen zu lassen.
Die vordergründig amüsante Situation läd sich so mit einer Gewalttätigkeit auf, die seinesgleichen sucht. Eine kleine, unscheinbare Mappe mit Formularen, plötzlich auf dem Schreibtisch präsent, reicht aus, um einen sprachlichen Orkan der Entrüstung herbeizuführen. Schon wieder Zettel ausfüllen für Doktor Bauer? Auch noch bis zum nächsten Tag? Ausnahmsweise finden Axels Tiraden allgemeine Zustimmung: "Zettel, Zettel, Zettel! Ja, bin ich denn ein Zettel oder was! Bin ich ein Formular oder was! So eine blöde Unterschrift oder wie!" Der Schutzraum des Fiktiven, er ist mehr als brüchig in dieser Aufführung.

Um das zu erkennen, bedarf es des einen aufgebrachten Zuschauers gar nicht, der die Autorin des Gedankendiebstahls bezichtigt und das Publikum darüber aufklärt, dass er das alles tatsächlich erlebt und Felicia Zeller erzählt habe. Die Aufforderung der Abendspielleitung, das Haus zu verlassen, kontert der Störer empört, indem er auf jenen Schauspieler deutet, der angeblich in seiner Rolle agiere: "Soll doch meine Figur gehen, ich bin echt."
Es ist der Aufstand der Realität gegen eine Fiktion, in der eine sehr ähnliche Aggression immer gerade bis zum Gedankenschrei getrieben wird, sich in sprachlichen Wiederholungen steigert, aber nicht explodieren darf. Erst als dem Empörten mit der Polizei gedroht wird, verlässt er die Bühne - und das Publikum beginnt zu ahnen, dass die Episode doch nicht zum Stück gehört. Denn endgültige Abgänge kann es in Zellers unendlichen Spiralen der Perspektivlosigkeit nicht geben. Zumindest in diesem Punkt erscheint die Fiktion frustrierender als die Wirklichkeit."
(Bodo Blitz in: Theater der Zeit, Januar 02)

 

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